Quo vadis, Dortmund?

Schon im vergangenen Winter wurde aus Dortmund eine unrühmliche Praxis bekannt:
Das Ordnungsamt der Stadt verteilte so genannte Knöllchen, Strafzettel eben, an Menschen ohne Obdach. Das „Lagern und Campieren an öffentlichen Plätzen“ ist in Dortmund nicht gestattet.
407 Verstöße stellte man in Dortmund im Jahr 2017 fest. Kosten pro Knöllchen: EUR 20,00.
Wird die Strafe nicht gezahlt, drohen Folgekosten, die schlimmstenfalls in einer Ersatzfreiheitsstrafe enden können.
In Dortmund leben nach Schätzungen (Stand 2017) zwischen 300 und 400 Menschen auf der Straße. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es – wie in anderen Städten auch – nicht ausreichend.

Ähnlich wie die Konzepte atonischer Musik an Bahnhöfen oder dergleichen, haben auch die „Knöllchen“ in der Konsequenz Verdrängung und dem vorausgehend Ablehnung zur Folge.

Da möchte man wirklich fragen: Quo vadis, Dortmund? Anstatt die Menschen noch weiter an den Rand zu drängen, aus der öffentlichen Wahrnehmung auszugrenzen, wäre es da nicht vielmehr wünschenswert und sinnvoll, die Konzepte der Unterbringungen und Angebote zu überdenken oder gegebenenfalls anzupassen?
Es ist bekannt, dass Sammelschlafstätten nicht gerne aufgesucht werden. Aus zum Teil sehr nachvollziehbaren Gründen: Angst vor Diebstahl, Einschränkungen, Angst vor (gewalttätigen) Auseinandersetzungen, zu viel Nähe zu Fremden.
Dass sich dezentrale Unterbringung nicht von heute auf morgen realisieren lässt, ist vollkommen klar. Aber verstärkt in diese Richtung zu denken und darauf hinzuarbeiten, solche Unterbringungsplätze zu schaffen, wäre ein – vielleicht sogar unumgänglicher – Anfang. Das Konzept der Sammelunterbringung scheint sich – nicht nur in Dortmund – überlebt zu haben, aber die weitergehende Verdrängung und Belastung durch Ordnungswidrigkeitsverfahren kann und mehr noch: darf nicht die Lösung sein.

Quellen/ Weiterführende Links:
http://www.spiegel.de/…/dortmund-verteilt-knoellchen-an-obd…
https://www.ruhrnachrichten.de/…/Knoellchen-fuer-die-Nacht-…
https://www.derwesten.de/…/dortmund-bussgeld-obdachlose-ueb…

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