Es kann jeden treffen

Während Berlin schon jetzt ca. 140 Schlafplätze im Winternotprogramm öffnet, formuliert in Hamburg die Bezirksversammlung Eimsbüttel Wünsche für die Ausgestaltung. So soll beispielsweise geprüft werden, ob ein Bus-Shuttle von der Einrichtung Kollaustraße in die Innenstadt, insbesondere den Tagesaufenthaltsstätten sinnvoll ist. Auch soll nach Möglichkeit auf die Nutzung der Container, welche an die Stapelstraße angrenzen, als Schlafcontainer vollständig verzichtet sowie der Durchgang zur Stapelstraße geschlossen werden.
Die Einrichtung in der Kollaustraße ist eine ehemalige Geflüchtetenunterkunft, in der nun ab 01. November bis zu 336 Schlafplätze im Rahmen des Winternotprogramms für Menschen ohne Obdach geschaffen werden.
In Hannover hat man schon im vergangenen Dezember Gebrauch von der Möglichkeit gemacht, ehemals als Geflüchtetenunterkünfte genutzte Räume zu Unterbringungen für Menschen ohne Obdach umzufunktionieren.
Was aber, wenn solche Unterkünfte weit ab von der Innenstadt gelegen sind?
Sicher, ein Bus-Shuttle, welches den Menschen zum Transport von A nach B zur Verfügung gestellt wird, mag zunächst einmal als praktikable Lösung erscheinen. Wieder jedoch wird damit ein Stück Selbstbestimmung aberkannt, wird verwaltet.
Bestimmt ist es nicht einfach, einen guten und auch für Anwohner akzeptablen Kompromiss zu erarbeiten. Die zur Kenntnisnahme der verschiedenen Bedürfnisse aber müssen sich geradezu zwangsläufig die Waage halten. Denn es bleibt bei einer einfachen Wahrheit:
Ein Mensch ohne Dach über dem Kopf, ist ein Mensch. Eben nur ohne „eigene vier Wände“. Etwas übrigens, dass für geschätzt 1,2 Millionen Menschen in diesem Jahr bittere Realität ist. In 2016 schätzte man 860.000 wohnungslose Menschen, darunter natürlich auch Familien mit Kindern.
Unabhängig von der unbestrittenen Problematik des Wohnungsmarktes, der Tatsache, dass immer mehr bezahlbarer Wohnraum wegbricht und der unabdingbaren Notwendigkeit, dem sowohl politisch wie gesetzgebend entgegenzuwirken, muss sich die Sichtweise verändern:
Wohnungs- und Obdachlosigkeit kann ein Jedermann/-frau Schicksal sein. Statt auszugrenzen und zu verdrängen, ist es an der Gesellschaft, die Menschen in ihren problematischen Lebenssituationen an- und wahrzunehmen.

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