Ein großer Bogen

Das Winternotprogramm, der sogenannte Erfierungssschutz der Stadt bietet in jedem Jahr Anlass für Diskussionen:
Ganztägige Öffnung ja oder nein?
Während sich die Stadt auf den Standpunkt stellt, es sei aus den verschiedensten Gründen nicht möglich, das Winternotprogramm auch am Tage zu öffnen, fordern Verbände, Einrichtungen der Obdachlosenhilfe jedes Jahr wieder eben genau das: die ganztägige Öffnung.
Es müsse in Hamburg auch tagsüber niemand frieren.
Zwar ist es richtig, dass es einige Tagesaufenthaltsstätten gibt. Bei der Annahme, auch am Tage müsse niemand frieren, werden aber unter anderem die langen Wege außer Acht gelassen, die von den Unterkünften des Winternotprogramms bis zu den jeweiligen Aufenthaltsstätten zurück zu legen sind und die ein nahezu unüberwindbares Hindernis darstellen können.
Die gängigen Begründungen, die angeführt werden, um die Weigerung der Öffnung zu erklären, hat das Magazin Hinz und Kunzt übrigens bereits 2016 in einem Faktencheck ausnahmslos widerlegt.
Die Handhabung des Hamburger Erfierungssschutzes lässt sich fasst als symptomatisch für Deutschlands Umgang mit Betroffenen bezeichnen.
In Finnland, wo als im Übrigen einzigem Land Europas, die Zahl der wohnungs- und obdachlosen Menschen sinkt, wird seit 2008 der Ansatz „Housing First“ verfolgt.
Das bedeutet nichts anderes, als dass die Menschen zunächst in stabile Wohnverhältnisse gebracht werden, um sich dann ihrer Probleme annehmen zu können.
Indes knüpfen wir Wohnen noch immer an Bedingungen. Und zwar ganz gleich, ob es sich um eine kurzfristige Unterbringung oder eine eigene Wohnung handelt.
Das Beispiel Finnland zeigt, dass ein anderer Weg möglich ist. Ein Weg, der die Menschen zurück in die sogenannte Mitte der Gesellschaft holt. Wir sollten ihn gehen, denn Wohnen ist ein Menschenrecht.

Weiterführende Links /Quellen:
https://www.ndr.de/…/Streit-um-Winternotprogramm-in-Altona,…
https://www.hinzundkunzt.de/faktencheck-winternotprogramm/
https://www.arte.tv/…/…/079473-017-A/re-weg-von-der-strasse/

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