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Tod und Vorurteil

Inzwischen sind innerhalb von nur wenigen Wochen 3 Menschen (von denen wir wissen) auf Hamburgs Straßen ums Leben gekommen. Bundesweit steigt ihre Zahl auf 7.

Wir möchten das heute zum Anlass nehmen, Euch verschiedene Informationen an die Hand zu geben und mit einigen derzeit insbesondere in den Sozialen Netzwerken vermehrt auftretenden Vorurteilen „aufzuräumen“.

1. Geh doch arbeiten – niemand muss obdachlos sein…
…ist ein klassisches Vorurteil und ein leicht dahin gesagter Satz. Obdachlosigkeit kann viele Gründe haben. Das Ende einer Partnerschaft durch Trennung oder Tod des Partners/ der Partnerin. Verlust der Arbeitsstelle. Psychische Probleme / Krankheiten. Die Liste ist lang. Der Gedanke, ein Mensch müsse „ja nur“ die Hilfe, welcher der Staat in seiner Eigenschaft als Sozialstaat anbietet, auch annehmen, scheint so einfach. In vielen Fällen ist jedoch genau das ein so immenser Schritt, der nicht selten begleitet ist von Gefühlen wie Scham oder Überforderung. Es ist eben nicht „nur“ der Gang zum Amt oder das Bitten um Hilfe. Viele Gründe und/ oder Erfahrungen können Menschen davon abhalten, diesen Schritt zu gehen. Scham und Angst sind starke Gegner.
Bezahlbarer Wohnraum ist knapp und Obdachlosigkeit ist inzwischen längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

2. Die Kirche hilft nicht. Der Michel war verschlossen, als dort eine obdachlose Frau starb.

Dass Kirchen – im gesamten Bundesgebiet übrigens – ihre Pforten verschließen hat ebenfalls zahlreiche Gründe.
Beispielsweise sahen sich viele Häuser mit Diebstählen, Vandalismus oder Verunreinigung konfrontiert. In Hamburg stehen auf den Grundstücken von Kirchen über den Winter Container, die einzig dafür gedacht sind, dass obdachlose Menschen eine warme Unterkunft haben.
Soweit es den Michel betrifft, hält die Gemeinde Kontakt zu den Menschen, die sich um die Kirche herum aufhalten. Es wird warme Kleidung ausgegeben und jeden Abend hält der Mitternachtsbus der Diakonie dort.

3. Kältebusse
Nicht in jeder Stadt oder Gemeinde gibt es einen so genannten Kältebus. Auch in Hamburg zählt zu den Städten, die ein solches Angebot nicht vorhalten. Hier gibt es den Mitternachtsbus der Diakonie, welcher 365 Tage im Jahr festgelegte Strecken abfährt und Hilfe leistet.
Worin liegt der Unterschied zu einem Kältebus?
Kältebusse fahren die Menschen bei Bedarf in Notunterkünfte. In Berlin gibt es einen solchen Bus.
Wer in Städten oder Ortschaften lebt, wo es ein solches Angebot (noch) nicht gibt, wähle im Notfall die 112.

4. Winternotprogramm

Wir wissen, dass die Notunterkünfte aus verschiedenen Gründen gemieden werden. Wenn von menschenunwürdiger Unterbringung gesprochen wird, so bezieht sich das in aller Regel nicht auf die Arbeit, die Ehrenamtliche und Sozialarbeiter dort leisten, sondern vielmehr auf die Struktur der als Erfierungsschutz ausgelegten Unterbringung. Und auch wenn die Unterkünfte nicht das Nonplusultra sind, so gibt es dort noch freie Plätze: https://www.hinzundkunzt.de/im-winternotprogramm-sind-noch…/

4. Wie äußert sich Erfrierung?
Unsere Freunde vom Johanniter Gesundheitsmobil Hamburg haben kurz und verständlich zusammengefasst, wie sich Erfrierung äußert:
https://www.facebook.com/JohanniterGesundheitsmobilHamburg/posts/565036097257642

5. Was können wir konkret tun?
Es gibt verschiedene Anlaufstellen in der Stadt, wo Menschen ohne Obdach Hilfe finden. Gebt den Menschen gerne Hinweise auf diese Angebote. Zusätzlich gibt es weitere Hilfen wie den Hamburger Gabenzaun e.V. am Hauptbahnhof, die Bergedorfer Engel oder die Mobile Betreuung CaFée mit Herz e.V., das Sonnenschein Café in der Sternstraße 67 (immer Samstags von 14 bis 17 Uhr) oder die AKH – Antikältehilfe e.V. und Hamburg packt an – warm durch die Nacht (https://www.facebook.com/groups/hamburgpacktan.warmdurchdienacht/).

Außerdem können – Ihr seht es auf dem Bild von unseren Freunden vom Bergedorfer Engel e.V. Obdachlosenhilfe – Schlafsäcke Leben retten. Winterfeste, am liebsten bis -35 Grad, Schlafsäcke sind ähnlich wie Socken: ein echter Dauerbrenner.

Insbesondere aber ist wichtig, dass wir auf unserer Mitmenschen achten und im Falle eines Falles handeln, sei es durch Ansprache oder schlimmstenfalls durch die Alarmierung des Notarztes.
Wir glauben fest daran, dass gemeinsam mehr geht und diese Stadt wärmer werden kann.
Der Winter hat noch nicht einmal angefangen, aber wir sagen dennoch:
Lasst uns zusammenrücken

Weiterführende Links/ Quellen
https://www.deutschlandfunknova.de/…/bezahlbarer-wohnraum-k…
https://www.zeit.de/…/obdachlosigkeit-oesterreich-wien-miet…
http://www.taz.de/!5549788/
https://www.hinzundkunzt.de/jetzt-entscheidet-das-los/
https://www.hinzundkunzt.de/diese-sofortmassnahmen-wuerden…/
https://www.hamburg.de/obdachlosigkeit/

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